DAS FLÜSTERN DER AN'GAEL

DAS FLÜSTERN DER AN'GAEL
Tanja Bern

 


Roman - zu vermitteln
Fantasy

Prolog



Ich sah durch Elysas Augen und die Welt wandelte sich zu einem wundervollen Ort. Für mich war Edanya unwirklich geworden, denn ich sah meine Heimat anders als früher. Seltsamerweise machte mir das nichts aus, ich habe es schließlich selbst herbeigeführt. Trotzdem vermisste ich es manchmal, zu sehen, wie sich die Blätter der Bäume im Wind wiegten, die Vögel über meinem Kopf in Scharen hinwegflogen, oder der Blick eines unschuldigen Tieres mich streifte. Das konnte ich nur durch Elysa sehen.
Ich spürte, wie die junge Frau, die unter meiner Obhut war, erschauerte, und zog mich zurück, sah diese Welt wieder, wie sie nun für mich war. Alles Leben bestand aus Lichtern. Wie Laternen huschten die Lebewesen Edanyas an mir vorüber. Sogar in den Bäumen sah ich feine Lichtlinien, die den Stamm hinauf- und hinunterströmten. Die Farben waren für mich verwaschen, die Umrisse erkannte ich jedoch deutlich.
Elysas Haar wogte im Wind und ich sah, wie ihre Hand die ungehorsamen Strähnen beiseiteschob. Sie war das Einzige, was ich vollständig sah – der klare Mittelpunkt in einem verschwommenen Gemälde.
Mit geübten Händen stapelte sie die Hölzer neu auf und fachte das Lagerfeuer vor dem Haus ihrer Familie an. Ihr Saum kam der Glut zu nah und ich sah erschrocken, wie der Stoff Feuer fing.
„Elysa, Vorsicht, dein Kleid!“, rief ich ihr zu.
„Oh verflixt!“
Sie schlug die Flammen rasch mit bloßen Händen aus und ich zuckte zusammen. Durch meine Verbindung zu ihr, spürte ich die Hitze auf ihrer Haut.
„Danke, Arael“, flüsterte sie mir leise zu.
Mich durchströmte ein Gefühl, das ich einfach nicht benennen konnte, welches aber so tief ging, dass ich wusste, ich könnte nie mehr ohne sie sein.
Elysa hörte mich – sie hörte alle An’Gael, wenn sie in ihrer Nähe waren. Und das durfte niemals jemand herausfinden!

Szenentrenner

 

Flüsternde Stimmen



Seufzend blickte Elysa auf den angesengten Saum ihres rostroten Kleides. Wie sollte sie das ihrer Mutter erklären, die für den Stoff eine ganze Kuh eingetauscht hatte?
Das Lagerfeuer loderte jetzt vor dem Haus und würde später den Freunden ihrer Mutter ein wenig Wärme schenken. In der Wohnstube war es für diese Treffen einfach zu eng.
Jemand strich ihr unerwartet, fast schon unsittlich, über den Rücken und sie wandte sich erschrocken um. Shonas, der Sohn des nachbarlichen Hofes, stand vor ihr. Elysa hasste seine begehrlichen Blicke und wich einen Schritt zurück.
„Was ist denn mit deinem Kleid passiert, Süße?“
„Nenn mich nicht so!“, erwiderte Elysa erbost.
Shonas näherte sich ihr und beugte sich zu ihrem Ohr. Seine Finger zwirbelten eine von Elysas Haarsträhnen. Sie konnte durch das Feuer nicht weiter zurückweichen.
„Ich wünschte, du würdest für mich auch so entflammen.“
Ohne zu überlegen, versetzte sie dem jungen Mann eine Ohrfeige.
Shonas stolperte nach hinten. „Du wagst mich zu …“
„Verschwinde Shonas! Du bist auf unserem Grundstück.“
„Deine Mutter sollte dich züchtigen!“
„Und dein Vater sollte dich mit dem Gürtel zur Besinnung bringen“, gab sie zurück.
Da er nun nicht mehr nah bei ihr stand, sprang sie wie ein Reh über die Flammen und stürmte ins Haus. Ihre Mutter Prycill sah überrascht auf.
„Was ist passiert, Kind?“
„Shonas“, antwortete Elysa nur und zupfte an ihrem Kleid.
Ihr Bruder Kervias, der an einem neuen Stuhl gearbeitet hatte, blickte auf, stand abrupt auf und ging aus dem Haus. Elysa wusste, er würde sich mit dem Bauernsohn prügeln. Kervias hasste es, wenn Shonas seiner Schwester nachstellte. Ein wütender Aufschrei war von draußen zu hören.
„Elysa, was ist mit deinem Kleid geschehen?!“
„Ich bin zu nah an das Feuer geraten.“
Prycill betrachtete sie mit scharfem Blick. „Wir haben kein Geld für neuen Stoff!“
Elysa seufzte. „Ich weiß.“
Ihre Mutter schüttelte ärgerlich den Kopf. „Du darfst nicht ungeschickt sein, Kind. Wo bist du immer mit deinen Gedanken?“
Elysa hörte, wie Arael in ihrem Inneren leise gluckste.
„Lach du nur!“, sagte sie gedanklich zu ihm. „Wäre ich nicht immer von all den wispernden Stimmen abgelenkt, würde so etwas nicht passieren.“
„Du könntest das ausblenden.“
„Ja, aber das strengt an“, murmelte sie trotzig.
Ihre Mutter blickte sie mit einem Stirnrunzeln an. „Wie bitte?“
„Ach nichts, Mutter. Ich habe laut gedacht.“
„Kannst du bitte Wasser holen gehen, Elysa? Ich brauche noch etwas für den Eintopf. Nachher kommen sieben Frauen aus der Gemeinschaft und ich muss ihn verlängern, sonst reicht das Essen nicht.“
„Sieben?“
Prycill schnaubte. „Helma und Katwin kommen mit. Man hat es mir gerade eben mitgeteilt.“
„Zählen sie neuerdings zu deinen Freunden?“
„Nein, aber sie sind mit dem neuen Dorfältesten von Kardes verwandt und deshalb …“
Die Tür wurde aufgestoßen und Kervias kam mit einer blutenden Nase herein. Stoisch wischte er sich mit dem Ärmel über das Gesicht und setzte sich an seine Arbeit.
„Dieser Hundesohn ist mehr als unverschämt!“, blaffte Kervias. „Mutter, du solltest mit seinen Eltern reden. Er hat Elysa schlimm beleidigt.“
„Was hat er gesagt?!“, mischte sich Elysa ein.
Sie begegnete Kervias Blick.
„Das willst du nicht wissen, Schwester.“
Prycill blickte hilflos auf ihre Kinder und schwieg. Elysa wusste, solche Aufgaben waren die eines Vaters. Kervias fuhr sich fahrig über das braune Haar und ergriff wieder den unfertigen Stuhl. Elysa lächelte. Ihr Bruder war so fürsorglich, obwohl er fünf Jahre jünger war als sie. Der Stuhl war für sie, weil der Jetzige abgenutzt und wackelig geworden war. Elysa näherte sich ihrem Bruder und küsste ihn sanft auf den Scheitel.
„Hast du ihn gut getroffen, Kervias?“
Für seine sechzehn Jahre war er erstaunlich kräftig.
„Nicht gut genug“, grollte er.
Elysa warf ihrer Mutter einen Blick zu. Prycill war immer von einer gewissen Traurigkeit umgeben. Elysa spürte, dass sich ihre Mutter einsam fühlte.
Trauert sie nach sieben Jahren noch immer um Vater?, fragte sie sich.
Jordan von Verda kehrte nie mehr von einer Jagd zurück und blieb trotz der Suchtrupps unauffindbar.
Seufzend ging Elysa die schmalen Stufen hinauf zu ihrem Zimmer. Das alte Holz knarzte bei jedem ihrer Schritte. Auf der schmalen Pritsche lag ihr blauer Überwurf, den sie sich nun um die Schultern legte.
„Denk an das Wasser, Elysa!“, rief ihre Mutter aus der Wohnstube.
Die junge Frau lief die Treppen bereits wieder hinunter und verdrehte die Augen. „Ich vergesse es nicht, hab mir nur meinen Umhang geholt.“
Elysa öffnete die Tür und spähte hinaus. Shonas war wirklich fort. Sie griff nach dem Holzeimer, der schon bereitstand, und schlenderte den schmalen Pfad zum Brunnen entlang. Ein aufkommender Wind wehte ihr das Haar ins Gesicht und sie strich es unwirsch zurück. Einige Männer und Frauen, die im Dorf ihre Arbeit verrichteten, sahen auf. Immer zog sie die Blicke auf sich, ihr blondes Haar war so anders. Keiner von ihnen hatte eine so helle Farbe. Rasch ging sie an ihnen vorbei.
Das Flüstern der anwesenden An’Gael zog sich wie ein Strom durch ihr Inneres. Sie wusste, dass diese Geschöpfe ihr Volk, das sich Nuális nannte, unsichtbar beschützte – sofern es ihnen möglich war. Ungewollt drifteten ihre Gedanken zu den Stimmen der Angaelis, der An’Gael, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, sie vor ihren Widersachern, den Angaeras zu schützen. Sie sah diese Geschöpfe nicht, aber ihre Stimmen drangen zu ihr vor.
„Hast du den Dunklen am Tor gesehen?“
„Er ist vertrieben.“
„Was wollte er hier?“
„Er hat wohl einen Pakt mit einem der Bauernsöhne.“
„Ich kann mir lebhaft vorstellen, wer das ist.“

Der Wald vor Elysa war nur noch ein großer Schatten. Die Felder davor verschwammen vor ihren Blicken. Sie blieb stehen.
„Arael, was hat deine Nuális?“
„Sie träumt.“

Elysa hörte leises Lachen.
„Elysa.“
Araels Ruf durchbrach ihre seltsame Trance und sie blinzelte. Mit einem tiefen Atemzug ging sie weiter auf den Waldrand zu, in dessen Nähe sich der Brunnen befand. In ihr brannte plötzlich warnend und heiß ein Gefühl, das sie nicht benennen konnte. Ihr Herz begann, schneller zu klopfen und Elysa beschleunigte ihre Schritte. Was war mit ihr los?
Nach einer Biegung kam der kleine Steinbrunnen in Sicht. Hohe Tannen umgaben sie und Zapfen lagen überall auf dem Boden. Ein Rascheln ließ sie herumfahren. Im Zwielicht des Waldes war nichts zu sehen. Sie erschauerte, als sie von einem Gefühl überwältigt wurde, als würden tausend Insekten ihren Rücken hochkrabbeln. Sie mochte diesen Ort nicht, er verströmte für sie stets etwas Unheimliches. Schnell lief sie zum Brunnen, schöpfte Wasser und wollte eilig nach Hause, als sie jemand von hinten packte. Sie schrie auf, doch eine grobe Hand presste ihr den Mund zu. Im ersten Augenblick war sie vor Angst wie gelähmt. Elysa sah, wie der Eimer zu Boden polterte, dann wurde sie in den Wald geschleift. Shonas Stimme flüsterte ihr leise ins Ohr und sein stoßweiser Atem streifte ihren Nacken.
„Nun ist kein kleiner Bruder hier, der dich schützen kann.“
Elysa stieß die Hand von ihrem Mund. „Lass mich los!!!“
Panisch schlug sie um sich, doch Shonas lachte heiser. Elysa schrie, doch wieder erstickte er ihre Rufe.

Szenentrenner


Arael musste hilflos mit ansehen, wie der Mann Elysa in die Dunkelheit der Bäume zog. Die feinen Lichtadern der Stämme wirkten wie aus einem Zauberland, Arael beachtete es nicht. Shonas stieß Elysa zu Boden und die schmutzigen Gedanken des Mannes schwebten förmlich vor dem Angaelis. Ihm wurde bewusst, dass Shonas keinen Bewahrer mehr hatte. Das konnte nur bedeuten, dass er bereits unter dem Einfluss der dunklen An’Gael stand, denn sein Volk verließ einen Nuális, wenn sich dieser von der dunklen Seite verführen ließ.
Was soll ich nur tun?!
Elysa kämpfte unter dem schlanken Männerkörper und ein Schrei entfuhr ihr. Shonas presste ihr erneut die Hand auf Mund und Nase, während er den Stoff ihres Kleides nach oben zerrte.
„Nein!“, flüsterte Arael bestürzt. Er konnte nichts tun. Seinem Astralleib war es nicht möglich, auf stoffliche Dinge einzugreifen. Dann nahm er mit Entsetzen wahr, dass Elysa keine Luft bekam. Der Kerl drückte ihr auf das Gesicht und sie konnte nicht mehr atmen!
Shonas nestelte an seiner Hose und drängte sich zwischen Elysas Beine. Arael spürte, wie ihr Geist drohte, in die Bewusstlosigkeit zu gleiten. Shonas schien davon nichts zu bemerken, er presste noch stärker seine Hand auf ihren Mund.
„ELYSA!“
Arael sah, wie das Licht ihres Lebens flackerte.
„Mann, siehst du nicht, was du tust?!“, schrie Arael, auch wenn er wusste, dass Shonas ihn nicht hören konnte.
Elysas Licht erlosch für einen Augenblick. Die Verzweiflung brannte wie ein Feuer in Arael und verzehrte ihn. Er dachte an nichts mehr, nur noch an Elysa. Sie durfte nicht sterben! Ohne zu überlegen, streckte er die Hand nach Shonas aus. Der junge Mann keuchte auf. Wie ein Dämon fuhr Arael in Shonas Körper und stieß dessen Seele fort – weit weg von Elysa.
Dunkelheit umschattete ihn.
Elysa?
Er konnte nichts sehen, aber er hörte, wie sie nach Luft schnappte. Warum war er in Finsternis gefangen? Um ihn waren enge Mauern und sie zogen sich um ihn zusammen, als wollten sie ihn zerdrücken. Arael keuchte erstickt auf.
Wo ist Elysa?
Arael drehte sich herum und seltsamerweise schien er nun in einer viel günstigeren Position zu sein. Denn sein Astralleib verband sich plötzlich mit irgendetwas. Es flackerte vor seinen Augen und die Umgebung nahm wieder Formen an – völlig anders als zuvor. Sah er durch Elysas Augen? Schemenhaft schaute er auf ihre Gestalt, die mit angstgeweiteten Augen unter ihm lag. – Unter ihm?
Du lebst!, dachte er. Und ein erleichtertes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht, das im selben Moment von einem Schmerz durchzuckt wurde, als Elysas Faust auf ihn zuraste. Er wurde zurückgerissen und die junge Frau rappelte sich auf, stolperte mit einem Schluchzen davon.
Arael sah bestürzt auf das Blut, das von seiner Lippe auf den Erdboden tropfte. Ein eisiges Gefühl nahm von ihm Besitz und er begriff allmählich, was geschehen war. Erschrocken schlug er sich die Hand vor den Mund und zuckte vor Schmerz zusammen. Er sah auf seine Handfläche, auf der verwischtes Blut zu sehen war. Es waren Shonas Hände. Arael sah an sich hinab und starrte entsetzt auf die geöffnete Hose. Er richtete sich auf und ordnete mit ungelenken Fingern das Kleidungsstück.
Oh Gayes! Ich habe ihn getötet.
Arael wusste, dass es ihm nichts brachte, wenn er zu Gayes betete, doch das kümmerte ihn gerade wenig. Er hatte Elysa gerettet und dabei hatte er Shonas Seele ins Nirgendwo gestoßen. Wo mag er sein? Im Totenreich der Nuális? Das war sehr wahrscheinlich. Arael konnte es nicht genau sagen. Er wusste, dass er ihn weit fortgestoßen hatte. Shonas war verloren. Und das Schlimmste war, dass Elysa nun völlig ohne Schutz war. Er war ihr persönlicher An’Gael gewesen. Jetzt aber …
Abrupt richtete er sich auf und lief ihr mit stolpernden Schritten nach.
„Elysa!“
Es fühlte sich seltsam an, die Stimmbänder des jungen Mannes zu benutzen. Wie ein Krächzen kam der Name von seinen Lippen. Es war, als würden seine Beine ihm nicht richtig gehorchen. Arael knickte um und fiel auf den mit Tannennadeln bedeckten Boden. Vor Schmerz verzog er das Gesicht. Suchend schaute er sich um. Elysa war fort. Mühsam richtete er sich auf, humpelte zum Brunnen und schöpfte Wasser, um sich das Gesicht von dem Blut zu säubern. Dann ging er langsam und immer noch verstört zurück ins Dorf. Einige Bewohner beäugten ihn, als er auf das Haus von Elysas Familie steuerte.
Jemand riss ihn herum. „Lass das Mädchen endlich in Ruhe, Shonas!“, bellte eine scharfe Stimme und Arael zuckte erschrocken zusammen.
Ein älterer Mann hielt ihn eisern am Arm fest.
„Ich … ich will mich … entschuldigen“, stotterte er mit heiserer Stimme.
Der Fremde ließ ihn los. „Oh. In Ordnung, das wusste ich nicht. Was hat dich zur Besinnung gebracht?“
Arael wusste darauf keine Antwort und blickte den Fremden hilflos an. Im Augenwinkel sah er dessen An’Gael, der ihn entsetzt anstarrte, weil er Araels Tat erkannte. Mit den Augen von Shonas konnte er nur eine helle Präsenz wahrnehmen. Rasch wandte er sich ab und ging zu dem kleinen Haus der Verdas. Die Tür wurde plötzlich aufgerissen und er sah in die dunklen Augen von Elysas Bruder. Dessen Faust landete augenblicklich in seinem Magen und Arael krümmte sich mit einem Keuchen nach vorn. Kervias stieß ihn vom Haus fort. Arael fiel auf den harten Boden und entkam knapp den Flammen des Lagerfeuers. Kervias trat ihm in die Seite.
„Ich klage dich vor dem Dorfältesten an, wenn du noch einmal in die Nähe von Elysa kommst!“
Arael blieb stumm und rührte sich nicht. Er sah Elysas blondes Haar und richtete den Blick auf den Türeingang.
„Elysa“, flüsterte er, doch ihr Bruder führte sie zurück in die Wohnstube und knallte die Tür zu.
Schnaufend rappelte sich Arael auf. Ihm war übel, seine Wange schmerzte und er fühlte, wie sein Auge zuschwoll. Ein Fluch entschlüpfte ihm und er trottete langsam um das Haus herum. Dort setzte er sich am Hinterhof in den Staub unter Elysas Fenster. Er konnte sie nicht allein lassen, auch wenn Kervias ihn totschlagen würde.
Wäre er dann wieder frei? Ihm war klar, dass sich sein ätherischer Körper mit Shonas‘ verbunden hatte. Aber würde Shonas’ Leib sterben …
Unbewusst fasste er nach einer Handvoll trockener Erde. Ein Kribbeln fuhr über seine Haut, als der Sand durch seine Finger rann. Die Sonne schien auf sein Gesicht und er fühlte ihre Wärme. Ein leichter Wind blies ihm ein vertrocknetes Blatt ins Gesicht und es kitzelte ihn, als es schließlich zu Boden fiel.
„Oh Gayes, es ist so lange her, dass ich das spüren durfte …“, flüsterte er.
Wie konnte er an Elysa herankommen? Er musste ihr erzählen, was geschehen war! Sie durfte nicht ohne Schutz sein. Denn auch wenn er in Shonas Körper gefangen war, Arael war trotzdem ein Angaelis der An’Gael. Ein Geschöpf, das geschworen hatte, eine Nuális zu beschützen. Seine Kräfte hatte er nicht verloren, das spürte er tief in sich. Er musste ausprobieren, inwieweit er sie in diesem stofflichen Körper nutzen konnte.
Er richtete sich auf, weil er hörte, wie Elysa oben in ihr Zimmer ging. Die knarzenden Stufen verrieten sie. Ihr Bruder würde sich niemals in ihren persönlichen Bereich begeben. Arael sah sich um. An der Mauer waren tiefe Furchen und Kletterpflanzen. Würde er bis zu ihrem Fenster gelangen können? Er fasste nach den hölzernen Stängeln der Iturispflanze und stellte den Fuß in eine Mauerritze. Langsam und mühsam kletterte er an der unebenen Wand hinauf, bis er vor Elysas Fenster war.
„Elysa“, wisperte er.
Beim Klang ihres Namens horchte sie auf und fuhr entsetzt zurück, als sie sah, wer vor ihrem Fenster kauerte.
„Du wagst es herzukommen?!“
Arael sah bestürzt die Rötungen auf ihrem Gesicht, die Shonas … nein, die seine Hände hinterlassen hatten.
Elysa stürzte vor, riss die Öffnung auf und stieß ihn weg. Arael schrie erschrocken auf und klammerte sich an die schmale Fensterbank, die außen angebracht war.
„Verschwinde!!!“
Sie schlug ihm mit der Faust auf die Fingerspitzen, die sich noch immer festhielten.
„Elysa nicht! Ich bin es! Arael.“

Szenentrenner


Elysa fuhr verblüfft zurück. Was sagte er da? Woher wusste Shonas von ihrem An’Gael?
„Geh weg!“, zischte die junge Frau. Sie hatte nicht vergessen, was er versucht hatte ihr anzutun. Eine Träne rann an ihrer Wange hinunter und sie wischte sie rasch fort.
„Bitte Elysa. Shonas ist tot. Ich … ich … habe seinen Körper übernommen … um dich zu retten.“
Der Mann schaffte es, sich wieder hoch zu kämpfen und Elysa wich zurück. Doch seine Worte berührten sie. Elysa sah Shonas’ Gesicht, aber es trug einen völlig anderen Ausdruck, als hätte sich etwas darin verwandelt.
„Ich verstehe nicht“, sagte sie leise.
Vorsichtig, um sie nicht zu erschrecken, stieg er in ihr Zimmer und blieb nah an der Wand stehen.
„Ich kann nicht zurück, Elysa.“
„Nicht zurück?“
„Spürst du es nicht? Dein Angaelis ist fort!“
Elysa lief es eiskalt den Rücken hinunter. „Arael?“, fragte sie gedanklich. Doch eine Antwort blieb aus. Sie starrte Shonas an, der nicht mehr derselbe zu sein schien.
„Es tut mir so leid, was er getan hat“, wisperte Shonas – oder Arael?
„Sag mir, was ich denke, wenn die Sterne aufziehen“, sagte Elysa mit gesenkter Stimme.
„Du sehnst dich danach, sie zu berühren.“
Ein Schauer rieselte über ihre Haut.
„Welches Lebensmittel hasse ich?“
„Den selbst gemachten Honig deiner Mutter. Du sagst es niemandem, weil du sie nicht verletzen willst.“
„Was … ist meine Gabe?“
Seine Stimme senkte sich zu einem Flüstern: „Du kannst die An’Gael hören.“
Elysa entfuhr ein leises Schluchzen. „Was hast du getan?“
„Ich habe dich gerettet.“
„Ja, ich weiß. Ich bekam keine Luft und er … Oh Gayes, was tun wir jetzt?!“
„Ich muss bei dir bleiben, Elysa. Du hast sonst keinen Schutz.“
„Wie stellst du dir das vor?“
Arael – war er es wirklich? – zuckte mutlos mit den Schultern. Sie wagte sich nicht in seine Nähe, aber sie betrachtete ihn abwägend. Sein dunkles Haar war zur Hälfte aus dem Zopf gerutscht und es hing zerzaust um ihn. Sein Gesicht begann, an einer Seite anzuschwellen. Ein flüchtiges Lächeln zuckte über ihre Lippen. Diesmal hatte Kervias gut zugeschlagen.
Mit einem erschöpften Laut ließ sich Arael zu Boden gleiten und starrte auf den bunten Teppich zu ihren Füßen.
„Ich wollte ihn nicht töten, Elysa.“
Nein, dies war nicht Shonas. Sie erkannte den Tonfall von Araels Stimme, sie war ihr vertraut und für Elysa unverwechselbar.
Zaghaft näherte sie sich ihm, blieb unentschlossen vor ihm stehen.
„Was passiert mit einem Angaelis der An’Gael, wenn er so was tut wie du?“
Arael hob den Blick und sie sah Tränen in seinen Augen aufschimmern.
„Ich weiß es nicht, Elysa.“

 

ZU VERMITTELNDE BÜCHER

navarye-die-prophezeiung

ALBENMACHT (Dilogie)
Dystopie mit Fantasy-Charakter

blutwache-geboren-aus-stein

BLUTWACHE - Geboren aus Stein
Vampir-Romance

das-fluestern-der-angaelDAS FLÜSTERN DER AN'GAEL
Fantasy
im-meer-der-zeiten

IM MEER DER ZEITEN
Zeitreise-Romance/Magischer Liebesroman

mittsommernacht

MITTSOMMERNACHT – Der Zweig von Ilcrey
Jugendfantasy, Young Adult

 

schwanenherz-SCHWANENHERZ
Phantastik / Märchen neu erzählt
seelendorn

SEELENDORN
Der Schatten in dir
Phantastischer Jugendroman

VERMITTELTE ROMANE

am-weissen-strand

AM WEISSEN STRAND
Romance

feelings (Knaur) - Mai 2016

das-geheimnis-von-seynford-hall

DAS GEHEIMNIS VON SEYNFORD HALL
Romance/Familiengeheimnis
Bastei - Dezember 2020

der-blutsaphir

DER BLUTSAPHIR
Romantasy
Bookshouse - September 2016

der-silberachat

DER SILBERACHAT
(Fluchjuwel 1) 
Romantasy
Bookhouse - Februar 2016 

der-silberne-fluegel-

DER SILBERNE FLÜGEL 
Fantasy
Oldigor - Februar 2014

der-silberne-fluegel-

DER SILBERNE FLÜGEL
Fantasy
feelings/Knaur - Februar 2017 

waldgeschichten-und-andere-abenteuer

DIE DECOXE 1: WALDGESCHICHTEN & ANDERE ABENTEUER
Kinderbuch
Arunya-Verlag - November 2013

die-decoxe-2-abenteuer-im-maerchenland

DIE DECOXE 2: ABENTEUER IM MÄRCHENLAND
Kinderbuch
Arunya-Verlag - November 2017

wie-ein-funke-im-herzen

DIE FARBEN DES WINDES
Romance
DP - April 2021

die-tochter-irlands

DIE TÖCHTER VON TARLINGTON MANOR
Romance
Bastei Entertainment - April 2018

distant-shore-1-sterne-der-see

DISTANT SHORE 1: STERNE DER SEE
Romance
KopfKino Verlag - Dezember 2015

distant-shore-2-gold-der-duenen

DISTANT SHORE 2: GOLD DER DÜNEN
Romance
KopfKino Verlag - März 2016

distant-shore-3-perlen-des-meeres

DISTANT SHORE 3: PERLEN DES MEERES
Romance
KopfKino Verlag - Oktober 2016

distant-shore-sammelband

DISTANT SHORE-Sammelband
Romance
September 2016 - KopfKino Verlag

elfental-serie

ELFENTAL (Serie)
Contemporary-Fantasy
Ashera Verlag

disappear-verloren-im-farbenzauber

FALLING - FARBENZAUBER
Romantasy
O'Connell Press - November 2016 

fluestern-der-ewigkeit

FLÜSTERN DER EWIGKEIT
Paranormale Romance/Vampir Romance
Bookshouse - Juli 2015

heimliche-naehe

HEIMLICHE NÄHE
Gay-Romance
Ashera Verlag - November 2019

nah-bei-mir-dilogie

IM SCHATTEN UNSERER LIEBE
Das Geheimnis der McKays-Reihe 1
Historical Romance/Gay-Romance
DP - Oktober...

im-zeichen-der-herbstfee

 

IM ZEICHEN DER HERBSTFEE
Märchen
Ashera Verlag - 2023

nah-bei-mir-

NAH BEI MIR
Romance
Arunya-Verlag - März 2015

ruf-der-geister

RUF DER GEISTER
Regio-Krimi mit übersinnlichen Elementen
Oldigor - Juli 2013

ruf-der-geister

RUF DER GEISTER
Mystery-Crime
Lente Verlag  - Dezember 2016

wie-ein-funke-im-herzen

WIE EIN FUNKE IM HERZEN
Verliebt auf der Isle of Wight
Romance
DP - April 2022

VERMITTELTE EBOOKS

ein-schwedischer-traum

DAS GEHEIMNIS DER SCHWEDISCHEN BRIEFE
Romance
Bastei - Januar 2019

distant-shore

DISTANT SHORE
Romance
Oldigor 

feenwinter-und-andere-fantastische-geschichten

FEENWINTER - und andere fantastische Geschichten
Phantastik
Ashera Verlag - Februar 2022

galway-girl-tetralogie

GALWAY GIRL 1: Winterreise
Romance
edel elements - Januar 2019

fruehlingserwachen-galway-girl-2-

GALWAY GIRL 2: Frühlingserwachen
Romance
edel elements - Mai 2019

galway-girl-3-sommerglueck

GALWAY GIRL 3: Sommerglück
Romance
edel elemnts - Juli 2019

galway-girl-4-herbstleuchten

GALWAY GIRL 4: Herbstleuchten
Romance
edel elements - Oktober 2019

ruf-der-geister

RUF DER GEISTER
Mystischer Regio-Krimi
Ashera Verlag - April 2018

shadowSCHATTENHAUCH

Dystopie, Jugendroman
Carlsen Impress - Juni 2014 

shadowSCHATTENHAUCH

Dystopie
Fabylon - Juli 2017

schattenhauch

SCHATTENHAUCH
Dystopie, Jugendroman
Ashera Verlag - Dezember 2021

VERMITTELTE HÖRBÜCHER

die-toechter-von-tarlington-manor

DIE TÖCHTER VON TARLINGTON MANOR
Romance
Lübbe Audio - April 2018

distant-shore-1-sterne-der-see

DISTANT SHORE 1: STERNE DER SEE
Romance
Kopfkino Verlag – September 2015

distant-shore-2-gold-der-duenen

DISTANT SHORE 2: GOLD DER DÜNEN
Romance
KopfKino Verlag - Juni 2016

distant-shore-3-perlen-des-meeres

DISTANT SHORE 3: PERLEN DES MEERES
Romance
Kopfkino Verlag - Dezember 2016

distant-shore-trilogie

DISTANT SHORE-Trilogie
Romance
KopfKino Verlag - Dezember 2016

VERMITTELTE BEITRÄGE IN ANTHOLOGIEN

animals-world-

ANIMALS' WORLD
Fur Fiction
p.machinery - Oktober 2014

die-drachenburg

DIE DRACHENBURG
Fantastik
TextLustVerlag - Juli 2013

duestere-pfade-

DÜSTERE PFADE
Düstere Phantastik
p.machinery - April 2013

elfenbuch

ELFENBUCH
Fantastik
TextLustVerlag -April 2013

meerkatzen

MEERKATZEN
Mediterane Katzengeschichten
Arunya-Verlag - Januar 2016

sherlock-holmes-und-das-druidengrab-SHERLOCK HOLMES UND DAS DRUIDENGRAB
Mystery-Crime
Fabylon-Verlag -  Mai. 2012
 

Letzte News

mischa-anselm

Pinnwand

LADINA BORDOLI bei..

ladina-bordoli-bei-heyne